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Habari ya Tansania

Autor: Anne | Datum: 05 November 2010, 07:42 | 0 Kommentare

Wo ist die Zeit geblieben? Nun bin ich bald schon seit zwei Monaten in Tansania an dem Ort, der für den Rest der Zeit mein Zuhause sein soll und das  “Uni-Leben“ und alles was zu Hause so stattfindet, ist gefühlt ganz weit weg. Aber trotzdem ist da auch die Wahrnehmung als sei ich erst vor Kurzem angekommen. In den letzten Wochen gab es ein ständiges hin und her zwischen Irente, Lushoto, Dar es Salaam etc. . Dies war einerseits sehr anstrengend und rastlos, andererseits wunderbar aufregend und spannend. Hiermit erklärt sich wahrscheinlich auch von selbst, wieso ich bisher nicht dazu gekommen bin, einen Rundbrief zu verfassen. Bitte entschuldigt! Ich werde versuchen, euch meine bisherige Reise und einige Erlebnisse zusammenfassend zu beschreiben.

Dar es Salaam 18.08. – 21.08.2010 

Am 18. August bin ich mit drei anderen Freiwilligen der VEM nach einem kurzen Aufenthalt in Amsterdam und am Kilimanjaro-Airport in Dar es Salaam gelandet.

Pass- und Visum Kontrollen können sehr lange dauern und sehr nervenaufreibend sein. Durch eine nette , bestimmte und beharrliche Art kann man sich aber manchmal ein wenig Wartezeit ersparen. Die Kunst besteht darin, dem Gegenüber das Gefühl zu vermitteln, er sei dabei, eine wunderbar wohltätige Arbeit zu leisten und einem in der Fremde noch sehr unbeholfenen Menschen den Weg zu weisen. Nachdem dies überstanden war, stand uns die Tür ins grosse unbekannte Land offen.

In den folgenden drei Tagen haben wir Dar es Salaam und den strahlend blauen Ocean ein wenig kennenlernen dürfen. Betreut wurden wir vier Mädels von der tansanischen VEM Mitarbeiterin Emmanuela Mtafikolo. Vielen Dank Emmanuela – ohne dich wären wir zweifellos überfordert gewesen.

Drei Tage später haben Mareike und ich uns auf den Weg in die Usambaraberge gemacht. Die anderen beiden sind weiter nach Bukoba in ihre jeweiligen Einsatzorte gereist.

 

Magamba 21.08. – 01.09.2010

Mareike und ich haben uns in der folgenden Zeit sehr gut kennengelernt, schliesslich waren wir vorerst füreinander die nächsten europärischen Bezugspersonen in der Fremde.

Mareike ist wie fast alle der diesjährigen VEM-Freiwilligen 19 Jahre alt und hat gerade die Schule beendet. Ich falle mit meinen 23 Jahren und einem fast abgeschlossenen Bachelorstudium ein wenig aus der Reihe. Allerdings wurde hier in Tansania bis jetzt immer Mareike für die ältere gehalten – “Malaika ni msungu kubwa … ehh refu!”

Was wir in der Zeit in Magamba gemacht haben? Da die Universität aufgrund der im Oktober stattfindenden Wahlen geschlossen hat, mussten wir uns unsere Zeit in dem Ort, der eigentlich nur aus dem Universitätsgelände besteht, selbst gestalten. Wir haben jeden Sonntag unsere Kiswahili-Kenntnisse zum Besten gegeben und uns in verschiedenen Gemeinden vorgestellt; haben uns regelmässig mit unseren Heimwehphasen abgewechselt; unsere Umgebung durch lange Fussmärsche erkundet; uns in der tansanischen Küche ausprobiert usw.. Auch wenn wir uns zwischendurch mal auf die Nerven gingen,  war ich doch stets sehr dankbar, Mareike um mich zu haben, zumal sie bereits zu Beginn über mehr   Kiswahili- Kenntnisse verfügte als ich. In der der Anfangszeit erwies sich dies als sehr nützlich. In den zwei Tagen, die ich zu jener Zeit ohne Mareike verbrachte, habe ich einen kleinen Nachbarsjungen schier zur Verzweiflung gebracht. Der Arme wollte doch nur ein Kaugummi und konnte überhaupt nicht verstehen, wieso ich dies überhaupt nicht kapierte. Kein Ablenkungsmanöver wollte funktionieren und so durfte ich den Fünfjährigen schliesslich vor Wut und Verzweifelung weinend nach Hause tragen. Ich habe seither einige Vokabeln mehr gelernt.

 

01.09. – 24.09. Irente (Usambaraberge)

Das kleine Dorf  namens Irente ist mit dem Auto circa eine halbe Stunde von Magamba entfernt und der eigentliche ”Einsatzort ” von Mareike. Sie arbeitet dort an an der “Rainbowschool“, einer Schule für Kinder mit sehr unterschiedlichen Förderbedürfnissen. Wieso ich nun ebenfalls dort gelanndet bin? Wie bereits beschrieben, hat die Universität geschlossen und so habe ich einige Wochen in der dortigen Blindenschule gearbeitet. Die Schule wird als Internat geführt. Die Schüler werden entweder als Schüler mit low-vision (stark eingeschränkter Sehfähigkeit) oder als blinde Schüler bezeichnet. In Deutschland habe ich auf Grund diverser Praktika bereits Einblicke in verschiedene Schulformen bekommen, allerdings hatte ich zuvor keinerlei Erfahrung mit Schulen für Schüler mit eingeschränktem Sehvermögen. Sehr beeindruckend und interressant war für mich, dass bis auf wenige Ausnahmen alle Lehrer der Schule selbst eine mehr oder weniger starke Beeinträchtigung ihres Sehvermögens haben. Vorteile entstehen somit sicherlich im gegenseitigen Verständnis und dem feinfühligen Umgang von Lehrern und Schülern. Nachteilig wirkt sich aus, dass blinde Lehrer den Schülern, die über einen Rest an Sehfähigkeit verfügen nicht so ganz gerecht werden können. Hier wird eigentlich mehr Personal benötigt, d.h. jemand, der in den Stunden die Inhalte an der Tafel visualisiert etc..Einer der Lehrer hat sich regelmäßig Zeit genommen, um mir die Blindenschrift auf Kiswahili und Englisch beizubringen. Dafür bin ich dem freundlichen Herrn Tupa wirklich sehr dankbar und ich hoffe, dass ich meine (wenn auch noch sehr ausbaubedürftigen) Braille-Kenntnisse bald im Umgang mit den blinden Studenten der Universität noch erweitern kann.

Während der Zeit in Irente habe ich es schliesslich auch einige Male geschafft zu joggen. An einem Morgen wurde ich dabei spontan von einer Schülerin begleitet, die meinte, sie sei eh etwas spät dran.

Einen großen Eindruck haben Chorgesänge der Schüler während der mogendlichen Andachten bei mir hinterlassen. Keine deutsche Schulklasse kann der Stimmkraft tansanischer Schüler Konkurrenz machen!

 

24.09. – 30.09. Magamba

Ich bin schliesslich wieder in Magamba eingezogen. Dieses mal ohne Mareike. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt nur einen kleinen Teil meiner Sachen mit mir führen konnte, war ich sehr glücklich, endlich mal wieder einige T-Shirts mehr zu besitzen.

In der Zwischenzeit wurde das bis dahin sehr einsam wirkende Campusgelände von neun schwedischen Jugendlichen zum Leben erweckt. Sie besuchen nun bis zum Unistart im November einen Kiswahilikurs und werden im Anschluss an verschiedenen Orten Tansanias arbeiten. In der scheinbaren Fremde entdeckt man mehr Gemeinsamkeiten – mittlerweile spreche ich die Schweden regelmässig versehentlich auf Deutsch an und werde umgekehrt ab und zu für eine Schwedin gehalten.

 

30.09. – 08.10. Dar es Salaam

Von den doch eher entbehrungsreichen Verhältnissen in Irente und zum Teil auch Magamba war der Sprung in das luxuriöse Hotel am indischen Ozean in Dar es Salaam enorm.

 Mareike und ich waren Teil eines zwölfköpfigen Steward-Teams der VEM General Assembly. In den folgenden Tagen haben sich Delegierte, Bischöfe, Mitarbeiter der VEM usw. aus verschiedenen Teilen Asiens, Afrikas und Deutschlands in gut klimatisierten Konferenzräumen des Hotels getroffen. Es wurde über verschiedene inhaltliche und organisatorische Bereiche der VEM diskutiert. Wie meine Ansprechpartnerin der VEM ganz richtig festgestellt hat, gibt es wahrscheinlich keinen besseren und umfassenderen Weg, Einblick in die Arbeit der VEM zu erhalten. Trotz der Arbeit als Steward (d.h. Kopierarbeiten, aufräumen, Namensschlider basteln …) blieb doch auch ein wenig Zeit, die wunderbare Umgebung zu geniessen. Am meisten genossen habe ich das warme Klima, da es in Magamba so hoch oben in den Bergen oft sehr kalt ist!

 

08.10. – 10.10. Lutindi

Auf dem Rückweg von Dar es Salaam haben Mareike, ich und die Koordinatorin des Freiwilligenprogramms, Anika May, einen kurzen Halt in Lutindi gemacht. Das dortige ”Mental Hospital” trägt eine lange Tradition in der VEM-Arbeit und wird zur Zeit von einer deutschen Familie geleitet.

 

10.10. - … Magamba

Nun bin ich seit einiger Zeit in Magamba angekommen und besuche einen Kiswahili-Sprachkurs, gemeinsam mit den schwedischen Studenten. Noch ist das Leben hier sehr ruhig, doch wenn die angekündigten ca. 1300 Studenten ihr Semester beginnen, wird sich das verlassene Universitätsgelände in den Usambarabergen wohl vollkommen verwandeln. In der Zwischenzeit versuche ich mein Kiswahili zu verbessern und das Land durch Wochenendtrips nach Moshi und an verschiedene Orte in den Usambarabergen kennenzulernen.

Ich hoffe, dass ich euch ein wenig von meinem Leben hier mitteilen konnte und freue mich auch immer über Neuigkeiten aus der Heimat!

Bis bald und kwa heri!

Anne

 

E-Mail: AnneS2000@gmx.de

Mobile: 00255/ 756260525 (Ich habe mir sagen lassen, dass es  in Deutschland Geschäfte gibt, in denen man Telefonkarten erwerben kann, die ermöglichen für 2,50 € nach Afrika zu telefonieren )

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