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2. Rundbrief

Autor: Anne | Datum: 18 Februar 2011, 10:20 | Kommentare deaktiviert

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Ein frohes und gesegnetes neues Jahr wünsche ich euch!

Ich bin mir zwar im Klaren darüber, dass viele von euch meinen 2. Rundbrief erst in den kommenden Wochen zu Gesicht bekommen werden – aber ich denke dieser Wunsch sollte doch wenigstens im Verlauf des ersten/zweiten Monats ausgesprochen werden dürfen.

 Die vergangenen Feiertage verliefen für mich ein wenig anders als sonst (beim erneuten Lesen muss ich ergänzen – "sonst" bezieht sich an dieser Stelle auf meinen Arbeitsalltag in Tansania). An Heilig Abend hatte ich mir vorgenommen in den Gottesdienst der lutheranischen Kirche im Ort zu gehen und das Verreisen über die freien  Tage ein wenig zu verschieben. Seit einiger Zeit bin ich dort ein Mitglied des Jugendchors. Am 24. zeigte sich schließlich was ich bereits vermutet hatte. Der Heiligabendgottesdienst entpuppte sich als eine Art Generalprobe für den Weihnachtsgottesdienst am 25. Dezember. Da ich als Pfarrerskind einen völlig chaotischen 24. und drei mit Menschenmassen gefüllte Gottesdienste gewohnt bin, hat mir die Stille an diesem Tag ein wenig zu schaffen gemacht. Doch wie geschrieben, wurde der nächste Tag bedeutend größer gefeiert. Das heißt alle gehen an diesem Tag entweder in den Gottesdienst um 7 Uhr  oder um 10 Uhr morgens und in jedem Haus steht ein Esstisch voller leckerer Dinge, die sich in den darauffolgenden Tagen nur noch vermehren. Optisch werden an diesem Tag die schicksten Klamotten rausgeholt, wobei sich die Tansanier eigentlich immer rausputzen, um in die Kirche zu gehen. Dann bekommt man ein regelrechtes Meer voller Farben zu sehen! Die besinnliche und gemütliche Adventszeit spielt hier, soweit ich wahrnehmen konnte, keine große Rolle. Vielleicht fehlen dazu die dunklen Wintertage…

 Wenn man um Weihnachten hier eine Kirche betritt, dann wird sofort klar, was gefeiert wird: GEBURTSTAG. Überall hängen bunte Luftballons, neben dem Altar stehen zwei riesige Bäume (die in alle Himmelsrichtungen ausgeschlagen haben, demnach viel Platz in Anspruch nehmen und den Priester während seiner Predigt verstecken). An den Bäumen hängt alles was blinkt und glitzert – bunte Kugeln, Lichterketten … und immer eine Weihnachtskarte.

Sehr begeistert war ich, als im Gottesdienst Lieder wie „Macht hoch die Tür“ und „O du fröhliche“ gesungen wurden - da habe ich prompt mein wackliges Kiswahili vergessen und lautstark mitgesungen.

 In der folgenden Zeit bekam ich Besuch aus Deutschland und verbrachte einige Tage in Moshi, Tanga und in Pangani. Pangani/Ushongo Beach ist ein wunderbarer Urlaubsort direkt am indischen Ozean und kann ohne Probleme in jedem Urlaubskatalog landen. Aufgrund der nicht ganz einfachen Anreise hält sich die Anzahl der Touristen jedoch in Grenzen. Trotzdem habe ich seit ich hier bin nie so viele Deutsche auf einem Fleck gesehen.


Nun hat also das neue Jahr begonnen und der Arbeitsalltag startet wieder. Mittlerweile unterrichte ich die fünfzehn blinden Studenten regelmäßig mit dem Computer zu arbeiten. Was auch bedeutet, dass ich mir selbst mehr Wissen darüber aneignen muss – und das Keyboard für mich nun auch die Computermaus ersetzt. Dank neuer Technik spricht der Computer bei jeder Anweisung mit dem Benutzer, d.h. die Sprache ersetzt somit die Funktion des Monitors für die Studenten. Zwar lassen sich die Sprachgeschwindigkeit und der englische Akzent verändern, trotzdem ist es für die Studenten nicht immer leicht alles zu verstehen. Während ich unterrichte muss ich meine Fantasie so manches mal ganz schön anstrengen, um den Studenten verständlich zu machen, wie so ein PC arbeitet. Mein diesbezügliches Wissen würde ich als mittelmäßig einschätzen. Ich erzähle den Studenten also immer wieder, dass es bei einem PC immer um den Austausch von Informationen geht: Das Keyboard besitzt mit seinen Tastenkombinationen zahlreiche  „Schlüssel“, die die Kommunikation möglich machen und sozusagen Türen oder Fenster („Windows“) öffnen bzw. schließen. Kopfkino!

Ansonsten unterstütze ich die internationalen Professoren beim Korrigieren, Dateien formatieren, Kopieren… und stehe besonders dem blinden Professoren Mr Jones aus  der USA mit Rat und Tat zur Seite.

Mit den Studenten komme ich sehr gut klar und zwischen den 1.300 die mir täglich über den Weg laufen, entdecke ich auch mehr und mehr bekannte Gesichter. Freunde findet man hier ganz schnell. Die meisten sind wohl auch ein wenig neugierig wie und wer ich bin (Erfahrungen mit „Weißen“ können wohl ganz unterschiedlich ausfallen und ob fremde Hautfarbe oder Kultur,  sowas verunsichert erst mal – dies hat mir eine tansanische Freundin bestätigt). Ich hoffe, dass ich in der nächsten Zeit viele noch besser kennenlernen kann.

Soweit nun wieder die Neuigkeiten von mir aus Tansania. Vielleicht ist ja jemand daran interessiert,  mir auch mal einen Bericht aus Deutschland zukommen zu lassen – ich bin mir sicher, dass man auch im eigenen Land viele Erfahrungen sammeln kann. Sebastian Kolowa University College, P.O.BOX 370 Lushoto und der Brief darf nicht dick sein, sonst wird er nie ankommen... (Liebe Storbecks ich werde Lis mal dazu bringen, mir eure Mail zukommen zu lassen, damit ich weiß, wie es euch in Amerika so geht!)

Alles Liebe und kila la kheri!

Anne

 

Kurzgeschichten

 

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Einer geht noch – Von Bus- und Daladalafahrten

Als Studentin der Wuppertaler Universität (d.h. einer Uni, die sich auf einem jener für diese Gegend typischen Berge befindet) als eben eine der zahlreichen Studenten dort, bin ich es gewohnt in überfüllten Bussen und mit den Geräuschen eines leidenden Motors Berge hinauf zu fahren. Im Vergleich zu Fahrzeugqualiät und der Quantität der Fahrgäste in Tansania, ist dies jedoch lächerlich. In einem normalen Fünfsitzer finden hier bis zu acht Personen Platz. In den Daladalas (Kleinbussen) sitzen regelmäßig Kinder auf meinem Schoß. Manchmal auch erwachsene Frauen. Jedoch scheint sich hier niemand darüber aufzuregen. Busfahrten werden eben zum Gemeinschaftsgefühl. Ein Aspekt der uns Deutschen, die wir so gerne zwei Plätze oder am besten den ganzen Bus für uns alleine haben wollen, abhanden gekommen ist. Zu kritisieren wären da nur die Fahrtgeschwindigkeit und die Nachlässigkeit der Bremsen, bzw. der erheblich verlängerte Bremsweg.

 

 

Mr Jones und Ich

Mit Mr Jones herumzulaufen ist immer wieder ein Erlebnis. Mr Jones ist blind, kommt aus Georgia/USA, ist groß und kräftig (tall and big) und sehr selbstbewusst. Ich weiß, dass er mir erlaubt, ihn so zu beschreiben. Mr Jones wird von allen Tansaniern kräftig bestaunt. Die meisten blinden Tansanier nutzen leider keinen Blindenstock. (Eine Tatsache gegen die Mr Jones ankämpft. Bei der Hand genommen zu werden, wird von jenen deutlich vorgezogen.) Um es kurz zu machen, als weißer Mensch fällt man hier schnell auf, aber als weißer Mensch mit einem Blindenstock in der Hand ist man ein echter Hingucker. Die Blicke, die ich abbekomme während ich neben Mr Jones laufe, sind manches Mal mitleidig, belustigt oder verängstigt – aber auf alle Fälle zahlreich, denn im Beobachten und Auskundschaften sind die Menschen, denen ich hier begegnet bin, sehr gut!

An Markttagen nutzen viele Verkäuferinnen und Verkäufer die Bodenfläche, um ihre Ware anzubieten und sich zu setzen. Ich bitte nun einmal vorzustellen, wie erschrocken die Menschen nun aufspringen, wenn dieser kräftig gebaute Mann mit dem Stock in der Hand des Weges kommt.  „Pole sana“  für die jeweilige Begleitperson, die alle eventuellen Unfälle zu vermeiden sucht.

 


 

Habari ya Tansania

Autor: Anne | Datum: 05 November 2010, 07:42 | Kommentare deaktiviert

Wo ist die Zeit geblieben? Nun bin ich bald schon seit zwei Monaten in Tansania an dem Ort, der für den Rest der Zeit mein Zuhause sein soll und das  “Uni-Leben“ und alles was zu Hause so stattfindet, ist gefühlt ganz weit weg. Aber trotzdem ist da auch die Wahrnehmung als sei ich erst vor Kurzem angekommen. In den letzten Wochen gab es ein ständiges hin und her zwischen Irente, Lushoto, Dar es Salaam etc. . Dies war einerseits sehr anstrengend und rastlos, andererseits wunderbar aufregend und spannend. Hiermit erklärt sich wahrscheinlich auch von selbst, wieso ich bisher nicht dazu gekommen bin, einen Rundbrief zu verfassen. Bitte entschuldigt! Ich werde versuchen, euch meine bisherige Reise und einige Erlebnisse zusammenfassend zu beschreiben. (weiter)